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Symposium
zur Stadtbeleuchtung 4.0
Licht im Spannungsfeld von Technik & Mensch

 

Heute geht es um Morgen! Kurzvorträge mit neuesten Erkenntnissen aus Technik und Wissenschaft geben konkret und interessant neue Dankanstöße zur zukunftsorientierten Beleuchtung unserer Städte und Gemeinden. Ziel unseres Symposiums zum kultivierten Nachtstadtbild ist, Bleibendes über das 10-tägige Lichtfestival KRONACH leuchtet® hinaus anzuregen.

  • „Licht als Kunstform. Installationen als Bereicherung des Nachtstadtbildes“
    (Dr. Helena Horn, Herausgeberin der Zeitschrift „ArtLight“)
  • „Autonomes Fahren bei VALEO. Ein Blick auf den Straßenverkehr der Zukunft“
    (Jörg Schrepfer, Entwicklungsleiter Fahrerassistanez-Forschungszentrum Valeo Deutschland)
  • „Licht und Gesundheit. Wissenschaftliche Hintergründe zur Lichtplanung in der Praxis“
    (Johannes Zauner, Lichtplanungsbüro 3lpi, Mitarbeiter am Institut „Licht und Gesundheit“ Uni München, Doktorand der Humanbiologie)
  • „Architekturbeleuchtung ‑ Im Zeitalter der Lichtkulturutopien“
    (Dr.-Ing. Georg Paissidis, Vorsitzender des griechischen Nationalkomitees für Beleuchtung)
  • „Licht für Menschen. Neue Ansätze der Lichtmasterplanung“
    (Markus Stirn, Projektleiter von KRONACH leuchtet®)

 

Blick in eine leuchtende Zukunft

Ein internationales Symposium umkreist mit unterschiedlichsten Fachvorträgen das Thema Stadtbeleuchtung 4.0. KRONACH leuchtet® will damit Bleibendes initiieren.

Vom 10-tägigen Lichtfestival zur bleibenden Stadtbeleuchtung: Unter Moderation von Oda Gräbner (links) und auf Einladung des Kronach-Creativ-Vorsitzenden Rainer Kober (rechts) referierten renommierte Experten zu den unterschiedlichsten Aspekten von Licht (von links): Georgios Paissidis, Markus Stirn, Johannes Zauner, Helena Horn und Jörg Schrepfer. Foto: Sabine Raithel

Wie können oder vielleicht besser sogar sollen unsere Städte in nicht allzu ferner Zukunft nächtens aussehen? Der Mensch und seine Bedürfnisse werden im Mittelpunkt stehen, der technische Fortschritt wird dies ermöglichen. Spannend war die Zusammenkunft von Fachleuten aus Wissenschaft und Praxis beim von KRONACH leuchtet® ausgerichteten Symposium am 4. Mai im Pavillon der Stadtsparkasse: Fünf sowohl stilistisch wie auch inhaltlich grundverschiedene Vorträge näherten sich dem künftigen nächtlichen Stadtbild.

Einleitend zeigte die Kunsthistorikerin Dr. Helena Horn Beispiele festinstallierter Lichtkunstwerke auf, die in Saarbrücken, Berlin oder Rom das Nachtstadtbild bereichern. Die Herausgeberin der Zeitschrift „ArtLight“ konnte dabei aus dem Vollen schöpfen und zog, wenn möglich, Parallelen zu Kronach: Die Drei-Flüsse-Stadt biete Brücken genug für die Lichtreflexionen einer Installation wie „Flusslicht“ von Martin Fell. Die mit dem immateriellen Werkstoff arbeitende Lichtkunst sei in vielen Fällen ortsspezifisch, also auf lokale Gegebenheiten abgestimmt. Nicht immer ist das so augenfällig wie bei William Kentridges Schattenkunst am Tiber, wo er historische Figuren Roms Parade laufen ließ. Auf erstauntes Interesse stieß die kunstvolle Beleuchtung eines Industriebaus durch Nabo Gass: Die Glasfront gibt nachts den Blick frei auf in Leuchtfarben bemalte und autonom arbeitende Roboter eines Versandzentrums.

Autonom fahrende Autos standen im Mittelpunkt des Vortrags von Dipl. Ing. Jörg Schrepfer, der das entsprechende Entwicklungszentrums bei Valeo in Neuses aufgebaut hat und leitet. Im Test sind die Zukunftsautos längst unterwegs, sie benötigen keine Fahrer, keine Straßenbeleuchtung und keine Parkplätze in der Innenstadt. Ohne Frage wird das autonome Fahren das künftige Stadtbild prägen und verändern! Der Automobil-Zulieferer Valeo ist Weltmarktführer bei den für automatisiertes Fahren benötigten Sensoren. Und dem nach eigenem Bekunden sehr heimatverbundenen Schrepfer ist es wichtig zu betonen, dass Kronach sich gerade zu dem bedeutendsten Forschungszentrum dieser Zukunftstechnologie entwickelt. Über 70 Mitarbeiter aus aller Welt hat er dafür nach Neuses gelockt, ständig werden es mehr. Die sogenannte „Kronacher Autobahn“ ist eine der ersten offiziellen Teststrecken. Die Zukunft des weltweiten Straßenverkehrs wird demzufolge in Kronach gemacht.

„Um Sensoren geht es auch bei mir, denn nichts anderes sind unsere Augen!“, leitete Johannes Zauner launig zu seinem Vortrag „Licht und Gesundheit“ über. Sein Thema ist gleichzeitig Titel seiner Doktorarbeit und Name des Münchner Hochschul-Instituts, an dem er promoviert. Wie wirkt Licht auf den Menschen? Vielseitiger als die meisten denken! Der Humanbiologe zeigte grafisch die vom natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus hervorgerufenen Abläufe im Körper und ihre Veränderungen durch künstliches Licht. Bereits das nächtliche Zähneputzen vor dem hell erleuchteten Spiegel führe zu einer nicht korrigierbaren Störung der Schlafhormone. Besonders krass beeinflusse den biologischen Rhythmus die Schichtarbeit. Aber man könne durch gezielte und sich am natürlichen Ablauf orientierende Beleuchtung gesundheitliche Spätfolgen minimieren, ist sich Zauner sicher, der als Architekt und Lichtplaner Arbeitsplätze bereits entsprechend ausgestattet hat.

Einen Abstecher in die Lichtphilosophie unternahm Dr. Ing. Georgios Paissidis mit seinem Vortrag „Architekturbeleuchtung im Zeitalter der Lichtkulturutopien“. Der Vorsitzende des griechischen Nationalkomitees für Beleuchtung verwies darauf, dass Lichtsprache je nach Kultur und individueller Prägung anders verstanden werde. Auch seien unsere Augen nur sensibel für einen Teil des Lichtspektrums. Aber man brauche nicht alle Teile, um das Ganze zu erkennen. Dies sei der Grund, „warum wir an Lücken glauben und eine Menge dem Betrachter überlassen“, so Paissidis. Das Spiel von Licht und Schatten statt flächendeckender Ausleuchtung lasse Raum für Interpretationen und helfe, durch moderne Technologie und Erkenntnisse verlorene Magie wiederzuerlangen.

Alle Fäden des Symposiums zusammenführend, sprach Markus Stirn über „Licht für Menschen. Neue Ansätze der Lichtmasterplanung“. Der Projektleiter von KRONACH leuchtet® plädierte dafür, die nächtliche Beleuchtung ganz den Bedürfnissen der Bewohner unterzuordnen. Statt auf das allzu oft praktizierte „viel hilft viel“ setze Stirn auf präzise und durchdachte Konzepte. Hotspots mit punktuellem grellem Licht müssten beseitigt werden. Das menschliche Auge brauche beim Verlassen dieser Zonen zu viel Zeit, um wieder gut sehen zu können, und ein unbedingt zu vermeidendes Gefühl der Unsicherheit entstünde. Auf Weißtöne reduzierte hochwertige Architekturbeleuchtung mache die Stadt in ihrer Individualität erkennbar: von der natürlichen Farbigkeit über die Fassadenbeschaffenheit bis zum gesamten Stadtaufbau. Bei der Ausarbeitung eines Lichtmasterplanes sollten alle betroffenen Anwohner, Geschäfte und Firmen einbezogen werden. Co-Design lautete hier das maßgebliche Stichwort. Und schließlich können mit Sensoren ausgestattete Lichtsysteme ziel- und zeitgenau beleuchten, immer und nur dann, wenn es für die Bewohner der künftigen Stadt nötig sei.

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